Münzkatalog: Deutschland Kaiserreich

Münzkatalog: Deutschland

Münzen des Deutschen Kaiserreichs

Zeitperiode: Deutsches Kaiserreich 1871-1918


  Wappen des Deutschen Kaiserreichs 1871-1918   Fahne des Deutschen Kaiserreichs 1871-1918

Entstanden aus: Rheinbund / Deutscher Bund 1806-1871
Aufgegangen in: Weimarer Republik 1919-1932

Das Deutsche Kaiserreich wurde 1871 unter Führung Preußens gegründet und bestand von 1871 bis 1918. Das Kaiserreich war eine Periode des Deutschen Reiches von 1871 bis 1945.
Das Deutsche Kaiserreich war eine bundesstaatlich organisierte, am monarchischen Prinzip ausgerichtete Konstitutionelle Monarchie.
Mit der Gründung des Deutschen Kaiserreichs ist erstmals ein deutscher Nationalstaat entstanden. Zur Hauptresidenz des deutschen Kaisers wurde 1871 das Berliner Stadtschloss erbaut 1442.





Allgemeiner Überblick über die Münzen des Deutschen Kaiserreichs

Mit der Gründung des Kaiserreichs bürgerte sich zum ersten Mal in der Geschichte die Begrifflichkeit Deutschland ein. Zwar sind auf den Münzen dieser Zeit noch die Worte "deutsches Reich" zu lesen, doch in Ämtern fand der Name Deutschland Verwendung, sodass der Grundstein für heutige "Münzen aus Deutschland" damals gelegt wurde. Bevor das deutsche Kaiserreich gegründet wurde, galten in den einzelnen Staaten / Regionen viele verschiedene Hauptwährungen. Allein drei unterschiedliche Arten des Talers (der Vereinstaler, der Konventionstaler und der reguläre Taler), ebenso drei Groschen (Silbergroschen, Neugroschen und normaler Groschen), Gulden, Heller, Kreuzer, Schilling, Mark, Pfennig, Franc, Centime, Groten usw..

Münzen

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Währungsunion im Kaiserreich

Unter Kaiser Wilhelm I. fand mit der Gründung des deutschen Kaiserreichs die erste Währungsunion innerhalb des deutschen Reiches statt. Aus dem Wirrwarr an verschiedenen Landeswährungen sollte eine einheitliche, für alle Länder vorgeschriebene Währung ihren Platz einnehmen. So wurde am 04. Dezember 1871 mit dem neu verabschiedeten Münzgesetz der Reinheitsgehalt für Goldmünzen festgesetzt und die offizielle Währung des Kaiserreichs als Mark betitelt, mit der Unterwährung Pfennig. Damit wurde das bereits zwei Jahre zuvor eingeführte Dezimalsystem übernommen. Statt gebrochener Zahlen sieht dieses System eine Einteilung der Währung in Hundertstel vor.
Unser heutiges Geldsystem mit Euros und Cents basiert auf derselben Grundlage. Ab dem 01. Januar 1876 führten letztlich alle Gliedstaaten des Kaiserreichs die Mark als Währung ein, dem Reinheitsgebot für Goldmünzen mussten sie sich bereits am 09. Juli 1873 anschließen. In einigen Landstrichen hatten auch noch während der Anfangszeit des Kaiserreichs diverse Vorgängerwährung eine Relevanz, diese wurden aber durch ungünstige Wechselkurse und Abwertungen entweder verdrängt oder schrittweise aus dem Verkehr gezogen. Gerade in annektierten Gebieten wurden parallele Währungen eingesetzt, die Tendenz zur einheitlichen Währung war aber von Beginn an absehbar. Obwohl es geplant war, schrittweise über mehrere Jahre alle Vorgängerwährungen einzuziehen, schlug dieser Plan schlussendlich fehl. Dennoch war es das Ziel, ein transparentes Geldsystem zu etablieren, welches die Beschränkungen im Handel weitestgehend auflösen sollte und damit den Geld- und Warenverkehr vereinfacht und florieren lässt. Das betraf übrigens nicht nur den Binnenmarkt, sondern auch den Handel mit Drittstaaten.


Kaufkraft und Inflation

Durch die neue gemeinsame Währung gelang es selbiger, eine starke Kaufkraft je Geldeinheit darzustellen, welche nicht nur an der wertigen Verarbeitung der "Goldmark", sondern auch an dem Vertrauen lag, das dem Kaiserreich und dessen Ökonomie entgegen gebracht wurde. Dies zeigt sich auch in der Stabilität der Goldmark. Obwohl Währungen teils aus organischen, teils anorganischen Gründen Inflationen oder Deflationen unterworfen sind, blieb der Wert der Goldmark bis zum Beginn des 1. Weltkrieges im Jahr 1914 enorm stabil. Grob gesagt lässt sich konstatieren, dass ein Bürger mit einer Goldmark in der Anfangszeit des Kaiserreichs eine ebenso hohe Kaufkraft besaß, wie kurz vor Kriegsbeginn. Darüber hinaus diente die Koppelung der Mark an einen Reinheitsgehalt von 0,358423 Gramm Gold je Geldeinheit der Golddeckung der eigenen Währungsreserven. Die Regierungen des deutschen Kaiserreichs als auch die Zentralregierung unter Wilhelm I. besaß ein großes Interesse daran, die eigenen Goldmünzen zu horten und somit eine goldgedeckte Währungsbilanz zu etablieren, die Sicherheit und wirtschaftliches Wachstum begünstigt.
Unter Berücksichtigung der Kaufkraft und der Inflation würde sich ein fiktiver Umtauschkurs der Mark des Kaiserreichs in heutige Euro wie folgt ergeben: Beim Referenzjahr 1873 (Beginn der Kaiserzeit) entspräche eine Mark etwa 6,40 Euro. Wenn 1900 (Blüte der Kaiserzeit) das Referenzjahr ist, wäre eine Mark heute 6,70 Euro wert und sogar noch kurz vor dem ersten Weltkrieg im Jahr 1913 betrüge der fiktive Umtauschkurs 5,20 Euro. Am Ende der Kaiserzeit (1918) ist der Wert auf nur noch 1,60 Euro gesunken. Gründe sind sowohl die Abkoppelung von der Golddeckung, die wirtschaftlichen Probleme durch den Krieg und der zum Erliegen gekommene Handel mit Drittstaaten. Bis zum Krieg ist jedoch eindeutig zu sagen, dass das Goldmark-System (wie es ironischerweise auch erst zu Beginn des Krieges genannt wurde) ein voller Erfolg war und heutige Strukturen möglich machte.

Urbanisierung und Industrialisierung

Die Vereinheitlichung des Geldsystems im Kaiserreich begünstigte auch die Entstehung von Ballungszentren. Während zuvor die unterschiedlichen Währungen Hemmnisse darstellten, kam es dank der Währungsunion und der damit verbundenen Münzgesetze zur allmählichen Urbanisierung. Es lässt sich konstatieren, dass ohne die Einführung der Goldmark unter Kaiser Wilhelm I. eine Metropolbildung, die Großstädte wie Berlin oder Frankfurt am Main überhaupt erst möglich gemacht hat, nicht in dieser Form stattgefunden hätte. Die Währungsunion war also zentraler Bestandteil und unabdingbares Fundament für die fortschreitende Industrialisierung, die in der damaligen Zeit Einzug hielt. Erst dadurch konnten sich im deutschen Reich Industrien bilden, Firmen gigantische Größen erreichen und Gewerkschaften aus der neu entstandenen Arbeiterklasse hervorgehen.


Ende der Goldmark

Auch das von Otto von Bismarck eingeführte Sozialsystem (Arbeitslosenversicherung, Rentenversicherung, usw.) hätte es ohne die Goldmark (wie sie erst im Nachhinein 1914 genannt wurde) nicht gegeben. Mit dem ersten Weltkrieg und den damit verbundenen wirtschaftlichen Problemen wurde allerdings die Golddeckung abgekoppelt und aus der gemünzten Goldmark wurde eine Goldmark aus Papier, deren Wert ohne das wertvolle Material und infolge vom massiven Vertrauensverlust in das nun schon über 40 Jahre alte Kaiserreich kontinuierlich sank.
Städte wie die Freie Hansestadt Bremen erstickten ihre Bestrebungen im Keim, eigene Sondermünzen (wie eine spezielle 3 Mark Silbermünze) auszugeben, da die wirtschaftliche Situation dieses Vorhaben defizitär gestaltete. Auch andere Bundesstaaten und Städte fuhren ihre Produktion an Münzen (gerade an Sondermünzen) enorm herunter und pumpten aus der Not heraus Papiergeld, Optionen, Anleihen und andere Finanzinstrumente in den Währungskreislauf, konnten die Abwärtsspirale aber nicht aufhalten. Als der erste Weltkrieg endete, wurde schließlich im Versailler Vertrag das Ende der Monarchie und damit auch das Ende des deutschen Kaisereichs besiegelt.
Einzelne Fürsten, Herzöge und Könige versuchten noch, ihre Ämter zu retten, letztlich mündete das übrig gebliebene deutsche Reich jedoch in der Geburt der ersten deutschen Demokratie, der Weimarer Republik, welche aus numismatischer Sicht nicht minder interessant ist als die Münzkunde des deutschen Kaiserreichs. Die Münzen des Kaiserreichs wurden allerdings mit dessen Untergang im Jahr 1918 schrittweise obsolet. Für Sammler bieten sie heute ein gigantisches Füllhorn an interessanten Motiven und Münzen, die es wert sind, gesammelt zu werden. Gerade durch Prägungen in teilweise sehr geringen Auflagen haben einige Sonder- und Gedenkmünzen der damaligen Zeit enormen wert, ebenso wie die zentral geprägten Münzen.



Regenten 1871-1918 Preußen

     
BildTitelNameRegierungLebenVollständiger NameHinweis
Kaiser Wilhelm I Preußen 1871-1888 Kaiser  Wilhelm I  1871-1888  22.3.1797 
9.3.1888 
Wilhelm Friedrich Ludwig von Preußen
Kaiser Friedrich III Preußen 1888-1888 Kaiser  Friedrich III  1888-1888  18.10.1831 
15.6.1888 
Friedrich Wilhelm Nikolaus Karl von Preußen Regent für 99 Tage 1888
Kaiser Wilhelm II Preußen 1888-1918 Kaiser  Wilhelm II  1888-1918  27.1.1859 
4.6.1941 
Friedrich Wilhelm Viktor Albert von Preußen

Münz Marken

MarkePrägeortPrägezeitraum
ABerlinAb 1872
BHannover1872 - 1878
CFrankfurt1872 - 1879
DMünchenAb 1872
EDresen1872–1887
EMuldenhüttenAb 1887
FStuttgartAb 1872
GKarlsruheAb 1872
HDarmstadt1872–1882
JHamburgAb 1875

Gebiet und Lage des Deutschen Kaiserreichs

Karte des Deutschen Kaiserreichs 1871-1918  

Daten Deutsches Kaiserreich

LandeshauptstadtBerlin
RegierungsformFöderale Erbmonarchie
StaatsoberhauptDeutscher Kaiser (König von Preußen)
Bestehen1871–1918
Fläche540.858 km² (1910)
Einwohner64.925.993 (1910)
Entstanden ausDeutscher Bund
Aufgegangen inWeimarer Republik

Währung

Mark und Pfennige, Kleinmünzen bis 1 Mark wurden zentral geprägt, 2, 3 und 5 Mark Münzen wurden mit dem Portrait des Monarches des Staates geprägt und mit einer Einheitlichen Wertseite.