Münzkatalog: Deutschland Altdeutschland

Münzkatalog Deutschland

Münzen Rheinbund und Deutscher Bund

Zeitperiode: Rheinbund 1806-1815 / Deutscher Bund 1815-1871


  Wappen des Deutschen Bundes 1815-1871  

Entstanden aus: Heiliges Römisches Reich 962-1806
Aufgegangen in: Deutsches Kaiserreich 1871-1918

Münzprägungen wurden noch bis 1875 in der Übergangszeit geprägt, bis die Mark des Kaiserreichs ausreichend verfügbar war.

Münzen Altdeutschland - von 1806 bis 1871

Die Zeit von 1806 bis 1871 war geprägt von den Bemühungen, einen deutschen Nationalstaat mit einer einheitlichen Gesetzgebung und einem einheitlichen Münzsystem zu etablieren. Und obwohl andere europäische Staaten wie Frankreich, Großbritannien oder Spanien schon seit Jahrhunderten einen einheitlichen Nationalstaat hatten, scheiterten bis 1871 alle Versuche der Deutschen, dies auch bei sich umzusetzen. Zu groß war der Widerstand der größeren Mitgliedstaaten, die ihre Souveränität und ihren Einfluss nicht verlieren wollten.
So prägte jedes Herrschaftsgebiet der damaligen Zeit seine eigenen Münzen. Doch nicht nur die Namen und Prägungen waren unterschiedlich, auch die Reinheitsgehalte und Materialzusammensetzungen variierten stark, da es für die deutschen Länder keine einheitlichen Vorschriften zur Prägung von Münzen gab.






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  • Großherzogtum
    Hessen-Darmstadt
    1806-1871
  • Wappen Großherzogtum Hessen-Darmstadt 1806-1871

    Fahne Großherzogtum Hessen-Darmstadt 1806-1871
  • Anzahl Münzen 51

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Überblick über die unterschiedlichen Währungen

Da jeder Kleinstaat Deutschlands sein eigenes Münzsystem und seine eigene Geldpolitik durchführte, sind zwar die Bezeichnungen für die einzelnen Zahlungsmittel weitestgehend einheitlich, jedoch unterscheiden sie sich massiv in ihren jeweiligen Umtauschkursen sowie den Verhältnissen zu anderen (teils gleichlautenden) Währungen. Ein Beispiel ist der Heller. Bei den Schwaben war der Heller ursprünglich genau einen Pfennig wert und entsprach damit einem 240stel Pfund. Später wurde der Wert um die Hälfte gekürzt, sodass zwei Heller einen Pfennig ergaben. Im Kurfürstentum Hessen entsprach der Heller dem preußischen Pfennig und die Wettiner rechneten den Heller in Schwert-, Spitz-, Bart- oder Zinsgroschen um. Ein weiteres Beispiel ist der Taler (der bis 1806 noch Thaler hieß). Immer wieder gab es Bestrebungen, diese Währung zu vereinheitlichen, wie beispielsweise mit dem Wiener Vertrag, der ein Feingewicht von 500:30 vorgab.
Dennoch prägten viele Länder ihre eigenen Taler, die sich von denen anderer Länder unterschieden. Neben Heller, Pfennigen und Talern gab es in Altdeutschland noch die Münzen: Kreuzer, Groten, Groschen, Cent, Mark, Batzen, Schilling, Kronen und einige weitere Einteilungen.

Die Münzpolitik in der Zeit des Rheinbundes 1806-1815

Während der Zeit des Rheinbundes gab es in Alt-Deutschland kein Münzgesetz oder eine zentrale Münzprägestätte. Stattdessen gab jedes Mitglied des Rheinbundes seine eigenen Münzen aus. Die Union verstand sich vielmehr als Militärbündnis, denn als souveräner Staat. Obwohl es Bestrebungen zur Gründung einer Verfassung, gemeinschaftlicher Gesetze und einer Münzreform gab, wurden diese niemals durchgesetzt.
Numismatisch ist der Rheinbund von einer extremen Vielfältigkeit geprägt. Das Königreich Bayern gab beispielsweise Dukaten mit einem Goldgehalt von 93,7%, Kreuzer Stücke mit einem Silbergehalt von 58,3% sowie Taler, Heller und Pfennige aus. Auf den Bildseiten des Königreiches Bayern war jeweils das Konterfei des Herrschers Maximilian I. Joseph zu sehen. Als dieser abdankte, war es ab 1825 das Bild von Ludwig I. Augustus, ab 1848 das von Maximilian II. und ab 1864 das von Ludwig II.
Im Königreich Württemberg wurde hingegen mit Gulden bezahlt. Das Kurfürstentum Baden hatte Kreuzer, Taler und Heller, ebenso wie das Großherzogtum Frankfurt. Daneben hatten noch die Länder Großherzogtum Berg, das Herzogtum Arenberg, die Fürstentümer Nassau-Usingen, Nassau-Weilburg, Hohenzollern-Hechingen, Hohenzollern-Sigmaringen, Isenburg, Liechtenstein, das Großherzogtum Hessen und noch ein paar kleinere Herrschaftsgebiete ihre eigenen Währungen, die hauptsächlich politische oder religiöse Motive auf ihren Rückseiten trugen.
Besonders beliebt war es, den jeweiligen König, Fürsten oder Herzog auf die Bildseite zu prägen und die Vorderseite mit dem Wappen und dem jeweiligen Nennwert zu versehen. Als Napoleon dann in der Völkerschlacht bei Leipzig unterderlag, brach auch der Rheinbund zusammen und damit dessen Bestrebungen nach einer Münzreform.

Die Münzpolitik in der Zeit des Deutschen Bundes 1815-1871

Der Deutsche Bund vereinte schließlich die Mitglieder des Rheinbundes erneut und gewann wertvolle weitere Mitglieder hinzu. Obwohl der Deutsche Bund bereits bundesstaatliche Züge annahm und bestrebt war, die eigentlich souveränen Staaten wirtschaftlich und politisch zu konsolidieren, war der Deutsche Zollverein so ziemlich die einzige Errungenschaft dieser Zeit, die das Geldsystem ordnen sollte. Ansonsten prägten auch im Deutschen Bund, wie seinerzeit im Rheinbund die einzelnen Mitgliedstaaten ihre individuellen Währungen.
Damit wurde die Münzvielfalt um die Gulden des Kaisertums Österreich, die Münzen des preußischen Staates, der Herrschaft Kniphausen, dem Herzogtum Limburg und vieler weiterer Länder erweitert. Für Münzsammler stellt dieser Zeitraum deshalb ein besonders interessantes Feld dar, da die Münzen eines jeden Landstriches ihre eigene Geschichte erzählen und durch das Fehlen von übergeordneten Prägebestimmungen sehr individuell und einzigartig sind. Dem Scheitern der Bemühungen einer Münzreform in der Zeit Altdeutschlands ist es zu verdanken, dass die Beschäftigung mit der Numismatik (Münzkunde) dieser Zeit ein ganzes Menschenleben füllen kann. So gab das Münzgebiet Hessen-Kassel den Konventionstaler, den Taler, die Gulde aus, in Braunschweig-Wolfenbüttel wurde mit Speziestaler, Conventionstaler und dem Mariengroschenstück gehandelt, ebenso wie im Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg und in Hamburg bezahlten die Bürger mit Reichstaler und Mark.
Viele Gebiete nutzten als Unterwährung den Groschen und den Gutegroschen, der im Schnitt vier Pfennige wert war oder um die 20 Centimen.

Münzgesetze und Reformen der Münzen Altdeutschlands

Zwar sind die Bestrebungen zu einem einheitlichen Münzgesetz im Zuge einer vollumafassenden Münzreform sowohl in der Zeit des Rheinbundes als auch in der Zeit des Deutschen Bundes allesamt gescheitert, dennoch haben einzelne Mitgliedsstaaten bilaterale Abkommen zur Vereinfachung des Bargeldumlaufes getroffen. 1837 beispielsweise schlossen sich die Länder Bayern, das Großherzogtum Baden, das Großherzogtum Hessen, Würtemberg, das Herzogtum Nassau und die Freie Stadt Frankfurt zum Süddeutschen Münzverein zusammen. Unter anderem wurde die Kölner Mark auf 233,855 Gramm festgelegt und der Gulden wurde in 60 Kreuzer unterteilt.
Ein Jahr später, 1838, wurde der Süddeutsche Münzverein im Rahmen des Dresdner Münzvertrages um weitere Mitglieder vergrößert. Neu hinzu kamen Sachsen-Meiningen, Schwarzburg-Rudolstadt, Hessen-Homburg, Hohenzollern-Hechingen und Hohenzollern-Sigmaringen.
Schon drei Jahre vor dem Süddeutschen Münzverein formierte sich unter preußischer Vormachtstellung der Deutsche Zollverein. Unterzeichnet wurde der Zollvereinigungsvertrag bereits am 22.03.1833, in Kraft trat er aber erst zum 01. Januar des Jahres 1834. Der Verein umfasste die Mitglieder Preußen, Bayern, Kurhessen, das Großherzogtum Hessen, Sachsen, Würtemberg und die thüringischen Einzelstaaten. Neben einer engeren ökonomischen Zusammenarbeit, beschloss der Deutsche Zollverein außerdem, dass sich die Gewichte und Maße der Münzen der Mitgliedstaaten an denen der preußischen oder der bayerischen Standards orientieren sollten. 1837 traten dann auch die Mitglieder unter dem Münchner Münzvertrag dem Deutschen Zollverein bei, 1842 folgten Braunschweig, Luxemburg und Lippe, 1854 Oldenburg und Hannover. Am 24. Januar 1857 wurde dann der Wiener Münzvertrag zwischen dem Deutschen Zollverein und dem Fürstentum Lichtenstein sowie dem Kaisertum Österreich abgeschlossen. Der Vereinstaler wurde in diesem Vertrag mit einem Gewicht von 18,519 Gramm bei einem Silber-Feingewicht von 16,667 Gramm festgelegt. Der Durchmesser betrug 33 Millimeter. Außerdem wurde beschlossen, dass 1 Vereinstaler 1¾ Süddeutscher Gulden entspricht, welche wiederum 1½ Österreichischen Gulden entsprechen. Umgerechnet bedeutete dies 150 Neukreuzer oder 105 Kreuzer.
Darüber hinaus wurde entschieden, wer die Österreichische Währung im 45-Gulden-Fuß, die Süddeutsche Währung im 52½-Gulden-Fuß und die Thaler-Währung im 30-Taler-Fuß einführen sollte.

Die Handelsvereinsmünze Krone - 1857 bis 1871

Als Goldmünze wurde vom Deutschen Zollverein die Vereinskrone ausgegeben. Sie wurde hauptsächlich für den Handel mit Drittstaaten geprägt und musste von den Mitgliedern des Zollvereins nicht angenommen werden. Auch ihr Wert war nicht fest vorgeschrieben. Stattdessen orientierte er sich vornehmlich am jeweiligen Umrechnungskurs von Silber in Gold. Insgesamt wurden von allen Staaten des Zollvereins im Laufe der Zeit 1.172.889 Kronen zum Nennwert 1 Krone und 965.367 zum Nennwert ½ Krone in den Bargeldumlauf gebracht. Spitzenreiter bei den 1 Kronen Münzen war das Königreich Hannover mit 774.141 Stück und bei den ½ Krone Münzen das Kaisertum Österreich mit 794.523 Stück. Die Vereinskrone entsprach ungefähr 9 Vereinstalern. Von den 2 Mio. ausgegebenen Goldmünzen wurden letztlich bei der nächsten Währungsreform im Jahr 1871 nur etwa ein Drittel wieder umgetauscht. Dieses Verhältnis zeigt, dass das Vorhaben, den Handel mit dem Ausland anzukurbeln, offenbar geglückt war. Die Kronen wurden über die Anrainerstaaten oder der an Goldmünzen interessierten Freien Stadt Bremen in einen großen Teil der Welt verteilt und gelten unter Sammlern als begehrte Fundstücke.
1871 wurden schließlich die bisherigen Münzen des Deutschen Zollvereins obsolet und neue Reglements veränderten die Münzlandschaft.